Ich habe das Glück in einem Ort zu wohnen, durch den zwei sehr unterschiedliche Flüsse fließen, die Loisach und die Isar. Es gibt also viele Gelegenheiten, Wasser zu beobachten und sich zu wundern, wie unterschiedlich Wasser sich darstellt, wie vielfältig es sich unserem Auge zeigt. 
Seit etwa zwölf Jahren versuche ich, diese Wandlungsfähigkeit des Wassers fotografisch fest zu halten und dabei hat sich das chinesische Sprichwort "Du kannst nicht zwei Mal in den selben Fluss steigen" immer wieder bewahrheitet: Von der Wasseroberfläche kann man keine zwei gleichen Bilder machen! Siehe die beiden kleinen Projekte "Die Farben der Isar" und "59 Sekunden".
Jede visuelle Wahrnehmung erfolgt durch Reflexion des Lichtes von dem Objekt der Betrachtung. Was wir als Realität wahrnehmen ist tatsächlich immer eine Spiegelung. Dabei muss diese Wahrnehmung nicht zwangsweise der Realität entsprechen, sie kann durchaus täuschen (z.B. die Fata Morgana, das Flimmern über heißem Asphalt). Ähnliche Täuschungen gibt es natürlich auch bei meinen Aquarellfotos (z.B. zwischen den Ästen eines Baumes schwimmende Enten). Trotzdem sind die Bilder aber grundsätzlich wahr. Mir erscheinen die Wasserspiegelungen sogar häufig als eine Art besonders intensiver Realität: Die Farben im Wasser sind oft kräftiger als die bei unmittelbarer Betrachtung, die Konturen viel lebendiger und der durch die Reflexion auf dem Wasser geänderte Betrachtungswinkel bietet häufig Überraschendes, das zum Nachdenken, manchmal auch zum Schmunzeln anregt.
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Um Missverständnissen vorzubeugen: Diese Fotos sind keine Montagen oder Manipulationen in Photoshop etc. Es handelt sich auch nicht um Doppelbelichtungen.